Die Waldpädagogiktagung findet seit 2006 als zweitägige bundesweite Fachtagung zur Professionalisierung für waldpädagogisch Tätige statt. Sie tagt jedes Mal an unterschiedlichen Orten in Deutschland. Die Tagung hat sich mittlerweile als „Branchentreff“ etabliert. Sie greift aktuelle gesellschaftspolitische Themen in Form von wissenschaftlichen Vorträgen, Praxisbeispielen, Diskussionen, Workshops im Wald und unterschiedlichen, innovativen Beteiligungsmethoden auf. Das Rahmenprogramm unterstützt die Ziele und stärkt das bundesweite Fachnetzwerk.
Die bundesweite Waldpädagogiktagung 2026 zum Thema „Vielfalt in Wald und Bildung“ findet am 27. und 28. Oktober in Leipzig statt! Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) e. V. lädt gemeinsam mit Sachsenforst, der Sächsischen Landesstiftung Natur & Umwelt (LaNU) zu zwei Tagen voller Inspiration, Austausch und Naturerlebnis ein. Ausführliche Informationen erhalten Sie über den pinken Button. Anmeldeschluss ist der 1. Oktober 2026.
Das erwartet Sie:
• Wissenschaftliche Vorträge zu Wald, Bildungsvielfalt und Biodiversität
• Praxisworkshops direkt im Wald
• Gemeinsames Entwickeln neuer Programmideen
• Exkursionen in die Region
• Abwechslungsreiches Abendprogramm für Austausch und Vernetzung
Das Thema Vielfalt stellt aktuell einen wichtigen gesellschaftlichen Diskurs dar. Auch waldpädagogische Akteure müssen sich den besonderen Herausforderungen bei der Angebotsentwicklung und im pädagogischen Handeln stellen. Dazu gehören Bildungsbedarfe ermitteln, Nachfragen abdecken und heterogene Gruppen begleiten. Aber nicht nur Lernende und Lehrende sind vielfältig. Auch im Ökosystem Wald spielt Diversität eine entscheidende Rolle, damit der Wald intakt, gesund und stabil bleibt.
Am 27. und 28. Oktober steht deshalb Vielfalt in zweierlei Hinsicht im Mittelpunkt der diesjährigen Waldpädagogiktagung:
Waldpädagogik und Bildungsvielfalt
Vielfalt (auch Diversität) betrachtet soziologische Aspekte von Menschen und deren Lebensformen. Der Diversity-Ansatz zielt auf die Anerkennung und Wertschätzung aller Menschen unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung, ihrer physischen oder psychischen Verfassung oder ihres Familienstandes. Ziel ist es, eine gerechte Verteilung von Bildungschancen, und damit gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit zu schaffen. Bildungsvielfalt oder Vielfalt in der Bildung ist ein Teil des Diversitäts-Ansatzes. Fokussiert werden die Zusammensetzungen von Schulklassen oder Lerngruppen und die Vielfalt innerhalb der Lehrenden. Die Globalisierung und die Umsetzung der völkerrechtlichen Vereinbarungen der Inklusion tragen dazu bei, dass heterogene Lerngruppen heute der Regelfall sind. Auch in waldpädagogischen Lerngruppen und bei den Lehrenden spiegelt sich dieser gesellschaftliche Trend bereits heute wider.
Vielfalt in der Bildung kann viele Lernmöglichkeiten eröffnen. Der Blick über den Tellerrand hinaus kann bereichernd sein und ermöglichen, sich selbst und andere besser verstehen zu lernen und Unterschiedlichkeit als Normalität zu erleben. Dieser Kompetenzerwerb ist wichtig für eine zukunftsfähige Gesellschaft im Sinne des Nachhaltigkeitskonzeptes. Andererseits verlangt der Umgang mit Unterschiedlichkeit und Vielfalt besondere Kompetenzen, Wissen, Rahmenbedingungen und Lernsettings. Vielfalt ist bereits in bestehenden Gesetzen und Initiativen in Deutschland verankert und gehört zu den Nachhaltigkeitszielen wie die Ziele Nr. 4 (hochwertige Bildung für alle), Nr. 5 (Gleichstellung der Geschlechter) und Nr. 10 (weniger Ungleichheiten).
Waldpädagogik leistet bereits heute einen Beitrag zum Erreichen der Bildungs-, Teilhabe- und Nachhaltigkeitsziele. Dennoch sind einige gesellschaftliche Gruppen wie ältere Menschen oder Menschen aus bestimmten sozialen Milieus bei waldpädagogischen Angeboten noch zu unterrepräsentiert. Waldbesuche oder waldpädagogische Angebote finden an Schulen in sozial benachteiligten Vierteln weniger statt als in Schulen mit höherem sozialem Index. Das geht aus der SDW-Studie „Wald und Grundschule“ hervor. Der neueste Nationale Bildungsbericht 2026 liefert noch mehr Befunde dazu.
Nicht immer zeichnen sich waldpädagogische Angebote durch geeignete, vielfältige Methoden und einer lernfördernden Lehrhaltung aus. Die aktuelle Lerntheorie und das Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verlangen aber nach dem Einsatz einer Vielfalt an Methoden, Lernzugängen und -orten, um gelingendes Lernen zu ermöglichen. Es gilt, das Potenzial von Vielfalt für die Waldpädagogik noch besser zu nutzen.
Auf der Waldpädagogiktagung 2026 sollen diese Bildungsbedarfe ermittelt und Lösungen erarbeitet werden, damit die Waldpädagogik das Ziel nach mehr Inklusion und Teilhabe noch mehr unterstützt. Dazu gehört es, den neuesten Stand der Wissenschaft zu Diversität und Bildung zu kennen, geeignete Methoden und Lernsettings kennenzulernen, diese zu erproben und sich mit Expertinnen und Experten auszutauschen.
Waldpädagogik und Biodiversität
Im Gegensatz zum soziologischen Begriff bezieht sich biologische Vielfalt oder Biodiversität im Wald auf waldökologische Aspekte und beinhaltet die Beschreibung hinsichtlich der Vielzahl von Arten, der genetischen Besonderheiten innerhalb der Arten und der Vielfalt von Lebensgemeinschaften im Waldökosystem. Mit dem UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 15 (Leben an Land) soll auch Biodiversität im Wald erhalten bzw. wiedergeherstellt werden. Wichtige deutsche Gesetze und Programme fördern und schützen Biodiversität auch für den Wald. Deutschland ist Vertragspartei des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD), das 1993 in-Kraft getreten ist. Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt des Bundesamtes für Naturschutz unterstützt die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt.
Die Vermittlung von Wissen und Zusammenhängen zum Ökosystem Wald gehören zur Kernaufgabe der Waldpädagogik. Wald stellt das Lern- und Handlungsfeld auch bei waldbezogenen Bildungsaktivitäten der SDW dar. Damit leistet Waldpädagogik bereits heute einen großen Beitrag zur Vermittlung der Bedeutung des Ökosystems Wald und zur Unterstützung der entsprechenden Nachhaltigkeitsziele. Dennoch gibt es auch auf diesem Themengebiet Bildungsbedarf. Viele Studien zeigen, dass Artenkenntnis gerade bei Jüngeren in unserer Gesellschaft rückläufig ist. Für viele Menschen läuft aber die Beziehung zur Natur und damit auch die Wahrscheinlichkeit, diese zu schützen, über ihre Beziehung zu bestimmten Tier- und Pflanzenarten. Deshalb ist es wichtig, dass waldpädagogische Angebote auch Beiträge zur Förderung von Artenkenntnis leistet und die Bedeutung von Biodiversität im Wald noch mehr vermittelt.
Auf der Waldpädagogiktagung 2026 soll auch hierzu der Stand der Forschung aufgezeigt, Bildungsbedarfe ermittelt und geeignete Formate, Methoden und Lernräume kennengelernt und erprobt werden. Auch zu diesem Themengebiet ist der Austausch mit Expertinnen und Experten notwendig. Das aktuelle Projekt der SDW „Mein m² Wald“ für Schulkinder der Mittelstufe soll auf der Tagung als gutes Beispiel zur Deckung dieses Bildungsbedarfes dienen.
Im Jahr 2023 führte die SDW zum ersten Mal einen Kongress durch, der die etablierte SDW-Waldpädagogik-Tagung und den 17. Europäischen Waldpädagogik-Kongress (den Jahreskongress der FCN-Subgroup Forest Pedagogics) in einer Veranstaltung zusammenführte. Das Motto dieses Kongresses lautete "Gemeinsam gestalten lernen – Wie kann waldbezogene Bildung für nachhaltige Entwicklung Partnerschaften aufbauen und Menschen ermächtigen?"
Die Veranstaltung fand vom 20. bis 22. September 2023 im JUFA Hotel in Königswinter bei Bonn statt. Der Kongress war gegliedert in einen theoretischen und einen praktischen Teil: Verschiedene Expert:innen gaben theoretische Inputs zur waldbezogenen Bildung. Zusätzlich boten unterschiedliche Workshops, Aktivitäten und Exkursionen praktische Einblicke.